Am Freitag unter anderem mit:EMMA RAWICZ SEXTETTDie britische Saxofonistin Emma Rawicz, 2002 geboren, gehört zu den meistbeachteten Jazzmusiker:innen ihrer Generation. Die besessene Arbeiterin begann...
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Am Freitag unter anderem mit:
EMMA RAWICZ SEXTETT
Die britische Saxofonistin Emma Rawicz, 2002 geboren, gehört zu den meistbeachteten Jazzmusiker:innen ihrer Generation. Die besessene Arbeiterin begann in der Corona-Zeit, ihre Übe-Routinen auf Instagram zu dokumentieren. Zehntausende Menschen verfolgen seitdem ihre so rasante Entwicklung. Sie ist in ganz Europa
unterwegs, spielt in den größten Konzerthäusern, tritt als Headliner auf wichtigen Festivals auf, schreibt beständig neue Musik und wurde unlängst von der BBC in den Kreis ihrer New Generation Artists aufgenommen – genreübergreifend die absolute Oberliga des Landes.
Dabei wählt Emma Rawicz nie den einfachen Weg – weder für sich selbst noch für ihr Publikum. Es geht ihr um das gemeinsame Entdecken und Erleben von neuer, ungehörter Musik jenseits gängiger Klischees. Die Musik ihres Albums „Chroma“, ihr Debüt beim Label ACT, präsentierte sie im Rahmen des Göttinger Jazzfestivals 2023 noch auf der kleinen, feinen Bühne des „Esel“ in Sülbeck. Ihr aktuelles Album „Inkyra“ strotzt vor Energie, Ideen, Farben sowie rhythmischer und harmonischer Komplexität. Rawicz selbst beeindruckt ihr Publikum mit einem so gewichtigen wie wendigen Ton und einem untrüglichen Gespür für Texturen und Zwischentöne.
LARS DANIELSSON LIBERETTO
Lars Danielsson verbindet die Freiheit, Harmonik und rhythmische Intensität des Jazz mit der Klangkultur seiner klassischen Wurzeln sowie der Eingängigkeit populärer und folkloristischer Lieder. Der schwedische Bassist ist ein Meister der Melodie und besitzt die Fähigkeit, Komplexes stets einfach und natürlich klingen zu lassen. Früher, erzählt Danielsson, der mit Rock’n’Roll und Free Jazz aufwuchs, habe er oft kompliziert komponiert, um sich hinter dieser Komplexität zu verstecken. Heute sucht er das Gegenteil: Klarheit.
Mit dem Kern seines Liberetto-Quartetts – e.s.t.-Drummer Magnus Öström und der britische Gitarrist John Parricelli – arbeitet er seit über 15 Jahren zusammen. Seit 2017 ist Grégory Privat fester Pianist der Band. Mit seiner Vielseitigkeit und Virtuosität ist Lars Danielsson der ideale Partner zahlloser Musiker von Michael Wollny über Nils Landgren bis zu Viktoria Tolstoy. Liberetto ist ganz „sein“ Projekt. „Gerade jetzt stellen wir uns die Frage, was uns menschlich und unverwechselbar macht“, sagt Danielsson. „Danach habe ich mein ganzes Leben lang als Musiker gesucht: nicht einfach etwas zu kopieren, das es schon gibt, sondern etwas zu finden, das aus dem eigenen Herzen und aus einem selbst kommt.“
SHAKE STEW
Mit ihrem Auftritt beim Jazzfestival Saalfelden 2016 und ihrem Debüt „The Golden Fang“ waren Shake Stew mit einem Schlag auf der Szene präsent. Seitdem ist die Band mit ihrer energiegeladenen Mischung aus hypnotischen Klanglandschaften und Kraut-Jazz-Grooves in ihrer Heimat Österreich und in ganz Europa unterwegs. Angeführt vom Bassisten Lukas Kranzelbinder, ziehen die zwei Schlagzeuger, zwei Bassisten und drei Bläser mit ihrem musikalischen Eintopf Menschen jeden Alters in den Bann, gleich ob im Club oder im Großen Saal der Elbphilharmonie.
Am Rand absoluter Stille tauchen Klangstrukturen aus dem Nichts auf, fließen entlang tranceartiger Basslinien und fein abgestimmter Gongmuster und berühren den Zuhörer mit einer Zerbrechlichkeit, die ebenso tief ist wie die Groove-Explosionen zuvor. 2026 feiert die Band mit dem dreiteiligen Albumprojekt „Ten One Two“ und einer ausgedehnten Tour ihr zehnjähriges Jubiläum. Und sie hatte ihren grandiosen Auftritt beim Göttinger Jazzfestival 2019 noch so lebhaft in Erinnerung, dass sie unbedingt wieder bei uns Station machen wollte. Wie könnte man da nein sagen.
Am Samstag unter anderem mit:
DELFEAYO MARSALIS QUINTET FEAT. ERIC ALEXANDER
Beim Namen Marsalis haben Jazzfreunde eine große Auswahl: Der 2020 verstorbene Pianist Ellis Marsalis war Vater von sechs Söhnen, alle dort geboren, wo auch der Jazz zur Welt kam: in New Orleans. Vier wurden Jazzmusiker, Delfeayo Marsalis ist der Posaunist in der Familie. Mit seinem hochkarätig besetzten Quintett
spielt er Standards, Eigenkompositionen, Blues und Balladen – alles unmittelbar ansteckend und präsentiert mit einer gehörigen Portion Humor. Delfeayo Marsalis ist vielseitig aktiv und erfolgreich: als Produzent, als Komponist für Film und Fernsehen oder als Gründer des Uptown Music Theatre zur Ausbildung von Kindern und
Jugendlichen, mit denen er fünf Musicals erarbeitet hat. Als Bandleader veröffentlichte Marsalis zehn Alben, zuletzt „Crescent City Jewels“. Und dann ist Delfeayo Marsalis einer, der noch mit echten Legenden von einst auf Tour war: Ray Charles, Art Blakey, Max Roach, Elvin Jones, Slide Hampton. „Art Blakey“, sagte er einmal,
„lehrte mich viel über Geduld und darüber, wie man ein Solo aufbaut. Und von Max Roach lernte ich, dass ich jederzeit in absoluter Höchstform sein muss.“
BILL LAURANCE
Der Pianist Bill Laurance versteht musikalisch das ganz große Besteck zu bedienen, aber er legt es immer wieder gern beiseite, um mit nichts zu hantieren als den 88 Tasten des Klaviers. Als Gründungsmitglied der Band Snarky Puppy (fünf Grammys) wirkt der vielseitige Brite an einer Musik mit, die jazzig-urbanen Sound mit
kollektiver Verve präsentiert. Bill Laurance hat klassische Komposition studiert, arbeitet mit Bigbands wie der WDR Big Band und dem Metropole Orkest sowie mit Ballettkompagnien zusammen und schreibt Filmmusik. In solchen Momenten fügt man sich in die Gemeinschaft und lässt sich vom Flow des Teamworks tragen. Einer, der so viel kollaboriert, muss wohl auch immer mal wieder ganz bei sich sein. Das ist er als Solist: Seit über zehn Jahren erkundet der 45-Jährige die Möglichkeiten des Klaviers. Auf seinem jüngsten Album „Lumen“ (ACT 2025) lotet er das gesamte Spektrum eines Konzertflügels im Raum zwischen Komposition und Freiheit
aus. Während viele seiner Stücke eine starke improvisatorische Komponente enthalten, sind andere durchkomponiert und in ihren Strukturen klar festgelegt. Solo sieht man sich im Spiegel, setzt die Regeln – und kann sich auch wieder von ihnen lösen. Bill Laurance interessiert dabei die Kraft, die aus dem Kontrast entsteht.
SCOTT KINSEY GROUP
Mit der Scott Kinsey Group kommt zum Abschluss des Festivals lupenreiner Fusion Jazz auf die Bühne. Der Keyboarder Scott Kinsey war ein Weggefährte des großen Joe Zawinul und hat sich dessen musikalischen Spirit spektakulär anverwandelt in einer 2.0-Version aus dichten Synthesizer-Texturen, komplexen Harmonien und
pulsierenden Grooves. Musikalische Ideen werden gespiegelt, verschoben, rhythmisch gebrochen und in überraschende Richtungen weiterentwickelt. Dabei bleibt die Musik stets organisch und unmittelbar – ein intensives Live-Erlebnis, das Kopf und Körper gleichermaßen anspricht.
Scott Kinsey war viele Jahre Mitglied der Fusion-Band Tribal Tech. Er wirkte an der Musik der „Ocean’s“-Filme mit („Eleven“ usw.), spielte mit zahllosen Größen der Fusion-Szene und schuf mit „We Speak Luniwaz“ (2019) die Blaupause seiner Anverwandlung der Musik von Joe Zawinul und Weather Report. Mit dem neuen Album
„Thought Distortions“ am Start, lotet die Scott Kinsey Group das Genre des Fusion Jazz neu aus. Die international besetzte Band zeigt, wie lebendig und visionär moderne Jazz-Fusion heute klingt – innovativ, virtuos und voll kreativer Spannung.
...und vielen weiteren regionalen Bands!